Big Points im Klimaschutz

Was sind Big Points? Im Klimaschutz wird der Begriff genutzt, um Änderungen aufzuzeigen, durch die sich besonders viel CO2 einsparen lässt. Es sind die Maßnahmen, durch die sich besonders große Verminderungen im CO2-Fußabdruck erreichen lassen. Ein Big Point kann Einsparungen von einer halben Tonne CO2 oder mehr pro Jahr ermöglichen.
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Beispiel Sparduschkopf: Es muss wenig investiert werden, und doch lassen sich damit pro Kopf bis zu 0,3 t/Jahr CO2 (von 10,8 t/Jahr CO2-Fußabdruck pro Kopf insgesamt) einsparen. Gleichzeitig lassen sich die Kosten um 170 € (incl. Wasserkosten) und mehr vermindern, und dabei werden die aktuellen Preissteigerungen noch nicht berücksichtigt. Spannend dabei: pro Person fielen im Jahr 2021 bereits etwa 280 € an Kosten an, vorausgesetzt, Sie haben 8 Minuten mit einem durchschnittlichen Duschkopf geduscht. Weitere Big Points und die Möglichkeiten, Einsparungen zu berechnen, finden sich hier, und es lassen sich auch Informationen zu den viel diskutierten „Spitzenreitern“ bei der CO2- und Kosteneinsparung finden, ob Tempolimit, Car-Sharing oder Wohnflächenverminderung.

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Unser „Fußabdruck“ und die Big Points der Veränderung

Dieser Fußabdruck liegt in Deutschland aktuell bei etwa 10,35 t jährlich pro Person (2024). Ursache dafür ist unser Lebensstil, deswegen gibt es auch eine breite Spanne von weniger als 4 t/Jahr und mehr als 20 t/Jahr, je nach Wohnfläche, Mobilität und Ernährung. Die gutverdienenden Haushalte haben mit ihrem Konsumverhalten und ihrem Lebensstil den wesentlich größeren Fußabdruck. Mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes lässt sich schnell berechnen, wodurch wir CO2 und andere Treibhausgase, die in den Berechnungen enthalten sind, einsparen. Ziel ist es dabei, die durchschnittlichen CO2-Fußabdrücke auf 1 t pro Jahr und weniger zu vermindern, um die (menschengemachte) Erderwärmung zu verringern und auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

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Für Verbraucher:innen bedeutet das, dass es wichtig ist zu wissen, wodurch sich wieviel einsparen lässt. Mit den Big Points lässt sich der Fußabdruck schon halbieren. Weitere Sparmöglichkeiten wurde in der Recherche „Zeigt her eure Füße“ der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz untersucht, in der es nicht nur um den CO2-Fußabdruck ging, sondern auch darum, wie sich durch Veränderungen im Lebensstil zugunsten des Klimaschutzes Kosten einsparen lassen, sogar, dann, wenn Investitionen erforderlich sind, wie etwa bei Sanierungsmaßnahmen.

Big Points sind vor allem in der Mobilität zu finden, also bei der Nutzung des PKWs und bei den Flugreisen.

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Spitzenreiter unter den Big Points

Echte Spitzenreiter bei den „Klimarettenden Maßnahmen“ sind hier:
•    PKW-Fahrten: Wussten Sie, dass 50 % aller PKW-Fahrten kürzer als 5 km sind? Durch den Umstieg auf das Fahrrad lassen sich hier bis zu 0,7 t CO2 pro Jahr und pro Person einsparen!
•    Wohnflächenhalbierung (z.B. in großen Einfamilienhäusern): spart schnell über 2 t im Jahr
•    Eine Fernreise weniger mit dem Flugzeug: spart 4-5 t und mehr pro Jahr
•    Die Umstellung auf eine pflanzenbetonte, hier „planetarische“ Ernährung genannt, spart etwa 1 t CO 2 pro Jahr.

Das Tempolimit

Nach der neuesten Studie des UBA (Januar 2023) sind gegenüber den vorherigen Berechnungen (UBA-Kurzpapier "Tempolimit Außerorts", 03/22) spürbar höhere Verminderungen von Treibhausgasen zu erwarten:
    • 120 km/h auf Autobahnen: 6,7, Mio t CO2 /Jahr
    • 120 km/h auf Autobahnen und 80 km/h außerorts: 8 Mio t CO2/Jahr.
    
Bei 48 Millionen zugelassenen PKWs in Deutschland würden PKW-Besitzer:innen Einsparungen zwischen 0,14 t und 0,17 t/Jahr an CO2 erreichen.
Mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 120 km/h auf Bundesautobahnen und 80 km/h Außerorts könnten sich bis 2030 rund 47 Millionen Tonnen CO2 einsparen lassen. Zum Vergleich: Im Verkehrssektor werden die jährlichen Ziele bisher deutlich verfehlt, bis 2030 um 271 Millionen CO2.

Zum Vergleich: ein Jahr Tempolimit mit 130 km/h entspricht etwa der CO2-Einsparung, die durch drei Monate mit dem 9-Euro-Ticket erreicht wurde. Das Tempolimit kann jedoch selbst gewählt werden.

Gleichzeitig führt es zusätzlich zur Verminderung der Treibstoffkosten, zur verbesserten Luftqualität und zu einer Reduktion von Unfälle. Aufgrund der hohen „Umweltkosten“ und der Folgen in den Herstellungsländern bei der Rohölgewinnung und Weiterverarbeitung ist die allgemeine Reduktion des Treibstoffverbrauchs ein wichtiger Bestandteil, auch vor dem Hintergrund, dass im Mobilitätssektor die gesetzlich verankerten Klimaschutzziele bei weitem nicht erreicht werden, und hier alle Reduzierungen sinnvoll sind.

Fliegen

Das Fliegen beeinflusst die Umwelt in vielfacher Hinsicht. Neben den CO2-Emissionen, die bei einem Langstreckenflug schnell die Hälfte des deutschen Durchschnittswerts betragen, gibt es weitere Klimaauswirkungen, etwa durch die Kondensstreifen. Aber auch der Flächenbedarf und die sonstigen Schadstoffbelastungen spielen eine große Rolle.

 'klimaneutral fliegen' bedeutet, nicht zu fliegen!

Zwei Fakten: Fliegen produziert CO2, insgesamt 3,1 % aller globalen Treibhausgase (CO2 u.a.). Zwei Drittel der Klimaschädlichkeit entstehen aber durch andere Effekte, wie etwa den Ausstoß von Wasserdampf. Der führt durch die Entstehung von Kondensstreifen und Wolken zu einer weit höheren Klimaschädlichkeit, daher reicht es nicht, CO2 durch neue Antriebsarten oder Treibstoffe im Flugzeug zu reduzieren.


Wie können wir also „besser“ fliegen? Eine Möglichkeit wird es sein, nach und nach sogenannte E-Fuels zu nutzen, und diese bereits jetzt den Flugkraftstoffen beizumischen, wie es jetzt von der EU beschlossen wird. Grüner Wasserstoff wird zukünftig nutzbar werden, und auch elektrische Antriebe sind teilweise denkbar. Weitere Maßnahmen, wie etwas das sogenannte Rerouting, vermindern auch die Klimaschädlichkeit der sonstigen Faktoren, die ohnehin wesentlich kurzlebiger in ihren Auswirkungen sind, wie der CO2-Ausstoß.
Allerdings wären laut einer Studie in der Nature 61% aller Emissionen des Flugverkehrs durch weniger Fliegen vermeidbar. Weitere 27% sind dann durch eine verbesserte Energieeffizienz, also einen Ersatz der fossilen Treibstoffe, zu erreichen, wobei diese Maßnahmen durchaus (noch) umstritten bleiben. Aber was geht denn heute schon? Flugkompensation ist eine Möglichkeit, wenn beachtet wird, dass die Kompensationsmaßnahmen dem „Goldstandard“ entsprechen. Billige Zertifikate, die heute von Fluggesellschaften gekauft werden, also z.B. sogenannte Waldzertifikate, helfen aber nicht auf dem Weg zur Klimaneutralität. Am besten ist es also, nur noch so wenig wie möglich zu fliegen, also z.B. Europaflüge ganz zu vermeiden, und Fernreisen seltener zu unternehmen. Dadurch wird eine Reise auch ein besonderes Erlebnis, denn das ist sie global betrachtet auch. Ein weiterer Fakt dazu: 50 % aller Flüge werden von nur 1 % aller Menschen auf der Erde gebucht. Und wer viel CO2 produziert, ist auch dazu in der Lage, viel einzusparen.


Trotzdem: politisches Umdenken und die Abschaffung der Subventionierung des Flugverkehrs, wie etwa durch das bisher steuerfreien Kerosins (und die Einführung einer erhöhten Besteuerung) sind unverzichtbare Aspekte bei der Vermeidung der Klimaschädlichkeit des Flugverkehrs…das können Verbraucher:innen nicht leisten.
Das Fazit für Verbraucherinnen lautet also: Flüge so viel wie möglich vermeiden, und unvermeidbare Flüge sinnvoll kompensieren! Das schont die Umwelt und den Geldbeutel, denn Flüge werden durch die beschlossenen Klimaziele sicher teurer werden.

Konsum

Wichtig zu wissen: im allgemeinen Konsum kann z.B. durch Second-Hand-Käufe und längeres Tragen von Kleidung eine Reduktion um 2 t pro Jahr und pro Person erreichen. Auch das kann im UBA CO2-Rechner berechnet werden, wenn Sie einfach Ihre Konsumausgaben und diese halbieren.

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